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High-tech-Nation oder High-tech-Wüste Deutschland?

PREVIEW online - Eigentlich sollte es sich zumindest bis zum letzten Landespolitiker herunter herumgesprochen haben, dass Technik mittlerweile nahezu jeden Bereich unseres Wirtschafts- und Gesellschaftslebens beeinflusst? Wenn nicht gar auf den Kopf stellt. Aber die Posten der politischen Weichensteller werden noch immer mittelalterlich nach dem Prinzip Proporz statt Kompetenz verschachert. Corona offenbart jedoch Inkompetenzen, Pleiten und Pannen scharm- und hemmungslos. Von Gesundheitsämtern bis zu Schulen und Unis, von Landesfürsten bis zur Regierungsspitze.

„Der Fisch stinkt vom Kopf“, lautet ein geflügeltes Sprichwort in Deutschlands Norden. Diese alte „Fischer-Weisheit“ lässt sich scheinbar auch auf den Apparatschik unserer politisch Verantwortlichen übertragen.

Unsere oberste Forschungs- und Bildungsministerin, Anja Karliczek (CDU), hat als Hotel- und Diplom-Kauffrau von Technik nicht ´mal den Anflug einer Kompetenz. Unter ihren 16 LandeskollegenInnen verfügen lediglich ZWEI (!!) über einen technischen Hintergrund.

Und dieser Technik-Kompetenz-Mangel zieht sich durch alle Parteien. Katharina Fegebank (Grüne) z.B. – Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Präses der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung –, die Tochter eines Lehrerehepaares, ist mit ihrem Studium der Politikwissenschaft, Anglistik und des Öffentlichen Rechts auch nicht in der Lage, die richtigen Weichen für Hamburgs technologische Zukunft zu stellen.

Britta Ernst (SPD), Brandenburgs Bildungsministerin und neue Präsidentin der Kultusminister-Konferenz (KMK), „rühmt“ sich peinlicherweise sogar noch öffentlich damit, dass es ihr „jetzt“ gelungen sei, „Ihre Lehrer“ mit einer eMail-Adresse auszustatten. Wohlgemerkt: 2020 – 30 Jahre nach Einführung des Notebooks(!!!). „Ihre Lehrer“ laufen gerade Sturm und wollen „ihre Chefin“ bewegen, wegen Inkompetenz im Amt ihr Ministeramt zu räumen.

Die Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ (KI) der CDU brauchte vermutlich deshalb zwei Jahre um herauszufinden, dass KI wohl doch ganz wichtig für Deutschland sein könnte, weil ihre Vorsitzenden – Nadine Schön (Juristin) und Ronja Kemmer (Wirtschaftswissenschaftlerin) - über keinen Technik-Hintergrund verfügen... Und so ließe sich der Reigen beliebig fortführen, bis hin zu Jens Spahn.

Überfordert im Amt?

Der Bundesgesundheitsminister ist zwar augenscheinlich bemüht, aber als Bankkaufmann und Sozialwissenschaftler fehlt scheinbar auch ihm das notwendige Rüstzeug für eine pannenfreie Bewältigung seiner eigentlichen Aufgaben. Denn auch hier greift Technik und – damit einhergehend – technisches Verständnis immer tiefer in den Job ein.

Ansonsten wäre ihm sicher schon ´mal vor der Pandemie aufgefallen, dass unsere Gesundheitsämter zwar nicht mehr trommeln, wie im Dschungel. Aber immer noch vorsintflutlich faxen und ein Amt schon nicht mehr mit dem Nachbaramt kommunizieren kann, weil sich unterschiedlich angeschaffte Hard- und Software nicht „verstehen“. Nachverfolgung von Infektionsketten also nur – wenn überhaupt – per Schneckenpost möglich ist.

Erst im Rahmen einer Dienstreise bekam er im nigerianischen Outback mit, dass hier – mitten im Nirgendwo – die Kontaktverfolgung einwandfrei funktioniere. Einer deutschen Software-Entwicklung sei Dank! Aber über das Kontaktpersonen-Management „SORMAS“ hatte hierzulande – selbst auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Phase – noch niemand gehört. Selbst im Bundesgesundheitsministerium nicht!

Kontaktverfolgung, Corona-App: Tech-Totalausfälle?

Als „Totalausfall“ beurteilen Experten auch die Corona-App, die wir alle für mehr als 70 Millionen Euro bezahlt haben. – Auch hier musste Deutschland in veralteter Silo-Denke das „Rad noch ´mal neu erfinden“ – und endlos diskutieren –, obwohl etwas Funktionierendes bereits in Taiwan, Korea, Israel und anderswo im Einsatz war.

Noch im Februar verwarf der „weltfremde“ – und natürlich auch nur mit Nicht-Tekkies besetzte – Ethikrat die Planungen eines „Impfpasses“. Obwohl sich sogar jeder Laie an zwei Fingern abzählen konnte, dass man einen Nachweis, eine (digitale) „Green-Card“, dringend brauchen würde, wenn man auch nur halbwegs zu einem „normalen Leben“ – zu einem Vor-Lockdown – zurückkehren möchte.

High-tech-Nation oder High-tech-Wüste Deutschland?

Da wir hierzulande seit mehr als 20 Jahren (!!!) über die Einführung einer elektronischen Patientenakte (ePa) diskutieren, existiert natürlich auch keine Basis, Geimpfte von Nicht-Geimpften unterscheiden zu können.

Selbst Mitte März konnten Geimpfte eine digitale Impfbescheinigung nur in ZWEI (!!!) von mehr als 400 Kreisen und kreisfreien Städten bekommen. Überall anders muss man noch seinen Impfpass aus Gutenberg´s Zeiten (1450) vorlegen, um sich – wie im preußischen Kaiserreich – dann einen Stempel dafür abzuholen. Kurzum: Völlig weltfremd und lebensuntauglich wie ein Papierkorb beim Einkauf.

Brauchen wir wirklich einen digitalen Impass?

„Das Problem auch schon erkannt“, hatte Jens Spahn Mitte März (doch schon so schnell?) knapp drei Dutzend Unternehmen angeschrieben, ob sie nicht einen digitalen Impfausweis entwickeln könnten. Den Zuschlag bekam das Zweigestirn der Kölner Blockchain-Firma Ubirch, zusammen mit dem IT-Riesen IBM.

Nun ist die gehypte Blockchain-Technologie sicherlich nicht für das erforderlich, wozu ein einheitlicher, digitaler Impfpass dringend gebraucht würde, also vor dem Antritt einer Urlaubsreise, vorm Hotel- oder Restaurant-Besuch, vor dem Einlass zu Konzert-, Theater- oder Sport-Veranstaltungen etc. Aber unser Gesundheitsminister schmeißt schon mal wieder mehr als 30 Millionen Euro für die Entwicklung eines solches „Passes“ in den Ring. Wohlgemerkt: Wieder für die Entwicklung einer lokalen Lösung. Obwohl es dafür bisher noch keinerlei gesetzliche Regelungen gibt ...

Denn „plötzlich“ hat es auch die EU-Kommission gemerkt, dass EU-Bürger wohl einen digitalen Impfpass bräuchten. Und der sollte möglichst EU-weit einheitlich und gegenseitig anerkannt sein. Und die EU schafft „gerade“ die Rahmenbedingungen dafür.

Europäisches Portal für Zertifikatsprüfung

QR-Code auf dem Handy oder als Ausdruck, statt altmodischem Impfausweis. Eine digitale Signatur soll die Echtheit eines solchen Zertifikats beweisen. Um Zertifikate zu überprüfen, sollen die Mitgliedstaaten der EU ein gemeinsames Zugangsportal nutzen, das die Kommission einrichten will.

Personenbezogene Daten sollen dieses Portal nicht passieren – wir bräuchten daher hierzulande nicht mehr Endlos-Diskussionen führen (leider) –, sondern lediglich die eindeutige Kennung des Zertifikats. Es würden generell nur Name und Geburtsdatum, aber keine weiteren persönlichen Informationen gespeichert.

Das europäische Portal soll den Mitgliedstaaten außerdem bei der Implementierung von Zertifikaten helfen – denn dafür sind weiterhin die einzelnen Länder zuständig (aha! Endlich wieder Diskussionen). Die Kommission will auch „quelloffene Referenz-Implementierungen für das Scannen und Überprüfen der Codes bereitstellen“.

Hoffentlich weiß man in Brüssel und anderswo, dass der US Cloud-Weltmarktführer Salesforce mit seiner „Vaccine Cloud“ bereits im Januar ein solches Konzept entwickelt hat? Und IBM hat eine Plattform entwickelt, über die eine sichere Authentifizierung und Verfolgung von Impfchargen und deren Verteilungs- und Anwendungsoptionen möglich ist.

Da den IBM-Chefs wohl bewusst geworden ist, das proprietäre Insel-Lösungen der Vergangenheit angehören – erst recht bei einer globalen Pandemie –, kooperiert der IT- mit dem Cloud-Riesen seit Ende 2020. Der IBM Digital Health Pass wurde in die Work.com-Plattform von Salesforce integriert. Eine Kombi, die nicht nur Unternehmen eine zentrale Anlaufstelle für datengestützte Entscheidungen liefert, um so Risiken zu minimieren, ggf. Maßnahmen schnell ergreifen zu können, effektiv zu kommunizieren etc., um uns alle möglichst schnell wieder zu einem „normalen“ Leben zu verhelfen.

Made in Germany áde

Generationen haben dafür hart gearbeitet, das "made in Germany" weltweit als Gütesiegel geschätzt wurde. Ein GlobalBrand, der dafür sorgte, das Produkte mit diesem Label zu Exportschlagern wurden, unsere Wirtschaft boomen und uns allen einen unschätzbaren Wohlstand genießen ließ. Aufgrund von fatalen Endlos-Diskussionen, Pleiten, Pannen und Unfähigkeiten, die Corona hemmungslos offenbarte, ist dieser Mythos dahin.

Geschmolzen wie Eis in der Sonne auch das Label "Organisations-Weltmeister". Planungschaos und förderales Kleinstaatertum im Konzert mit Fehlplanungen, Handlungsinkompetenzen etc. haben dafür gesorgt, dass unser Land nur noch müde bemitleidet wird. Kleinstaaten wie Israel, Singapore oder Südkorea haben uns gezeigt und brutal vor Augen geführt, wie es gehen kann und gehen sollte.

Gäbe es nicht den nobelpreisverdächtigen deutschen Impfstoff-Entwickler BioNTech, wäre kein Streif am Horizont über Deutschland sichtbar. Die wirtschaftlichen Konsequenzen und Folgen dieser unsäglichen Entwicklung sind noch überhaupt nicht abzuschätzen ...



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Pressekontakt
Peter Becker
Eckerkamp 139b
22391 Hamburg
Tel. +49-40-53 930 460
press(at)pre-view-online.com



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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
Quelle: BGM
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